Friday, November 08, 2019

DDR - Kultur zum Untergang


Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel und den Untergang der DDR besiegelte, fand gerade eine Tournee des DDR-Buchhandels in der Bundesrepublik statt.

Die Ausstellung "Bücher aus der DDR" schloss am 9. November in Heidelberg um dann am 6. Dezember in München wieder zu eröffnen. Die Veranstaltung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig war möglich auf der Grundlage eines Kulturabkommens, das DDR und BRD am 6. Mai 1986 geschlossen hatten.




Die Eröffnung in München am Nikolaustag 1989 nahm allerdings einen anderen Verlauf als geplant und ähnelte eher einer Vereinigungsfeier mit Sekt. Es soll auch Besucher gegeben haben, die sich an den ausgestellten Büchern erfreuten, die meisten aber unterhielten sich angeregt mit den aufgekratzten DDR-Damen über die Mauer-Öffnung. Nur eine von ihnen muss sich anscheinend nicht gefreut haben (Zitat: "Die hat vielleicht ein Gesicht gemacht"). Das war wohl die Aufpasserin von der Stasi.

Bei einer Durchsicht des Ausstellungskatalogs fielen mir einige Titel des DDR-Autors Volker Braun auf, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte.

Der eine oder andere Titel wäre sicher auch heute noch verwendbar:




Immer gern gelesen !


Volker Braun, Jahrgang 1939, war ein prominenter Autor der DDR und gleichzeitig jemand, der besonders schwer unter der Zensur des Systems zu leiden hatte und seine Gedichte und Prosa nur unter besonderen Schwierigkeiten veröffentlichen konnte.

Möglicherweise war es gerade diesem Umstand zu verdanken, dass seine Werke in den Katalog einer Ausstellung von DDR-Büchern im Westen aufgenommen wurden. Schließlich war der DDR daran gelegen, sich im Westen als weltoffen zu präsentieren, solange das eigene Volk selbst nicht zu viel von diesem kritischen Autor zu sehen bekam. Seine Buchtitel allein lesen sich dabei fast schon wie ein Programm.

Als ein konstruktiver Kritiker der DDR würde Volker Braun die Bezeichnung "Kultur des Untergangs" vermutlich nicht akzeptieren. Und so zeigt der folgende Vers aus einem seiner Gedichte eben nur einen Aspekt seiner Haltung, die stets auch eine gegenteilige Sichtweise beinhaltete, also ganz im Sinne des dialektischen Materialismus:

… Klein klebt die Landschaft unter den Füßen fest
Kleinlich wird der Wurf, eh die Saat den Boden trifft
Bis das Land, das allen gehört, auch auf alle hört.


Sein Kommentar zur deutschen Wiedervereinigung 1990 endete jedenfalls mit der Zeile:

„Wann sag ich wieder mein und meine alle.“


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